Arno Geiger: Das glückliche Geheimnis

Arno Geiger schreibt in seinem neuen Roman über sein Leben, seine Beziehungen und über seinen literarischen Werdegang.
Er gesteht uns: ,,Ein Vierteljahrhundert war Weggeworfenes Teil meines Lebens“ und nimmt uns mit auf seine Streifzüge durch Wiens Altpapiercontainer. Ganz offenherzig, voller Charme, Witz und Selbstironie aber auch philosophisch, tiefsinnig und mit viel Lebensweisheit berichtet er von seinem steinigen Weg Schriftsteller zu werden. Wie seine gefundenen Konvolute aus Briefen, Notizen und Tagebüchern sein Schreiben beeinflusst und geformt haben.
,,In vielen Briefen stieß ich auf eine beiläufige Offenheit, die mir gefiel, eine gänzlich unverkrampfte Direktheit, die mich zuerst beeindruckte, dann beeinflusste und schließlich mein Schreiben veränderte.“
Ein wunderbares Buch, lesenswerte Zitate und ein Arno Geiger, der mir trotz aller Eigenheiten sehr sympathisch ist.

Alexander Schulman: Verbrenn all meine Briefe

Ein Buch, das mich vom ersten Moment an berührt hat. Ich habe es begonnen zu lesen und erst wieder aus der Hand gelegt, als ich es beendet hatte. Eine starke und intensive Geschichte in ganz besonderer Erzählart.
Die Geschichte handelt von Alex Schulman selbst. Von seinem Verhalten seiner Frau und seinen Kindern gegenüber. Woher kommen seine plötzlichen Wutanfälle und warum haben seine Kinder Angst vor ihm? Wann hat es angefangen und warum? Diese Fragen treiben ihn um und er beginnt eine Therapie. Er erkennt: „Wo Angst ist, hat die Liebe keinen Platz“ und begibt sich auf Spurensuche.
Der Ursprung der Wut in der Familie scheint bei seinem Großvater zu beginnen. Anhand von Tagebüchern und Briefen erleben wir die Lebens- und Liebesgeschichte seiner Großeltern. Des berühmten schwedischen Schriftstellers, Literaturwissenschaftlers, Kritikers, Übersetzers und Journalisten Sven Stolpe, seiner Frau Karin Euler-Cheplin und ihrer eigentlichen Liebe Olof Lagercrantz.
Es ist eine aufwühlende und mitreißende Geschichte über eine Frau, die ihr Leben nach einem Mann ausrichtet, sich neu verliebt, sich befreien wollte und doch gefangen blieb.
Eine Geschichte über Liebe, Gewalt, Abhängigkeit & Freiheit und darüber, dass Vergangenheit kein unüberwindbares Schicksal ist, sondern wir immer eine Wahl haben, unsere eigene Geschichte zu verändern - auch Alexander Schulman.
Absolut lesenswert!

Susanne Abel: Was ich nie gesagt habe

Die Fortsetzung des Romans „Stay away from Gretchen“ von Susanne Abel.

In „Was ich nie gesagt habe" erzählt Susanne Abel auch hier in zwei Erzählebenen zum einen die Lebensgeschichte von Toms Vater Konrad und zum anderen widmet sich die Autorin Tom und seiner Mutter Greta in der heutigen Zeit. Dabei knüpft sie direkt an den Vorgängerband an.
Die Kapitel um die Biographie des Vaters im ersten Erzählstrang haben mich umgehauen. Wie Greta wächst Konrad in der NS-Zeit und dem 2. Weltkrieg auf und wird von der Ideologie mitgerissen. Doch auch die Nachkriegszeit, in der er Greta kennenlernt, mich absolut in ihren Bann gezogen.
Im zweiten Erzählstrang findet Tom durch einen Zufall heraus, dass er einen Halbbruder väterlicherseits hat – er recherchiert weiter und kommt ziemlich ungeheuerlichen Machenschaften auf die Spur.
Trotz der schweren Kost, die Susanne Abel ihren Lesern „zumutet", kommt der Unterhaltungsfaktor nicht zu kurz, was vor allem an ihrer erstklassigen Erzählweise liegt. Die Sogwirkung dieses Romans lässt einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Wer den ersten Teil gelesen hat, wird vom zweiten Teil nicht minder begeistert sein.

Bonnie Garmus: Eine Frage der Chemie

Elizabeth Zott ist eine Frau mit dem unverkennbaren Auftreten eines Menschen, der nicht durchschnittlich ist und es nie sein wird. Sie ist rebellisch, klug und ihrer Zeit voraus.

Denn 1961 ist es absolut nicht selbstverständlich, dass Frauen sich für Chemie begeistern – im Gegenteil, sie tragen Hemdblusenkleider und treten Gartenvereinen bei. Niemand traut ihnen zu, Chemikerin zu werden.
Außer Calvin Evans, der einsame, brillante Nobelpreiskandidat, der sich ausgerechnet in Elizabeths Verstand verliebt. Aber das Leben geht seine eigenen Wege. Und so findet sich eine alleinerziehende Elizabeth Zott bald in der TV-Show „Essen um sechs“ wieder. Dort kocht sie nicht nur exzellent, sie begreift auch Kochrezepte als chemische Formeln und Vorlagen und bildet das hauptsächlich weibliche Publikum wissenschaftlich weiter. Mit ihrer offenen, direkten und bisweilen naiven Art kämpft sie – nicht immer absichtlich und bewusst – für die Stärkung und Gleichberechtigung der Frauen.