Lize Spit: Der ehrliche Finder

Was für ein unglaubliches kleines Buch!
Eine bewegende, tiefgründige Geschichte, angelehnt an eine wahre Begebenheit von 1998. Für mich hervorragend als Schullektüre geeignet!
Dies ist die ungewöhnliche Freundschaftsgeschichte von Jimmy und Tristan. Sie spielt Ende der 1990-er Jahre in Belgien. Zwischen dem sensiblen Außenseiter Jimmy und dem aus dem Kosovo geflüchteten Tristan entsteht eine aus Abhängigkeit gewobene Freundschaft. Diese Freundschaft wird wegen drohender Abschiebung gefährdet und ein Plan entsteht. Eine Heldentat soll das Asyl für die Familie Ibrahimi erzwingen.
Wird dies gelingen?

Marina Weisband: Die neue Schule der Demokratie

"Demokratie muss man nicht nur wollen, man muss sie auch können", sagt Marina Weisband, die ausgebildete Psychologin und Expertin für Digitalisierung. Wie kann Schule Kinder und Jugendliche zu Demokraten erziehen?
Indem den Schülern Entscheidungen zugetraut werden, wir ihre Ideen erst nehmen und miteinander diskutieren. Indem Kompromisse gefunden werden und zum Schluss auch abgestimmt werden darf!
Wie das in der Praxis funktionieren kann? Zum Beispiel mit dem Werkzeug der Demokratiesoftware "Aula" (= Ausdiskutieren Und Live Abstimmen), die Frau Weisband mit entwickelt hat.
Demokratie kann durch Mitbestimmung gelernt werden und je mehr wir die jungen Menschen mitbestimmen lassen, desto größer wird die Fähigkeit und Motivation etwas zu verändern!

Caroline Wahl: Windstärke 17 und 22 Bahnen

Dies sind zwei absolute Herzensbücher: der Debütroman von Caroline Wahl „22 Bahnen“ und ihr neues Buch „Windstärke 17“.
Es sind die Geschichten der Schwestern Tilda und Ida mit ihrer Mutter.
Sie durchleben mit beiden Zeiten von zerstörerischer Kraft schwerer
Krankheiten aber auch die der heilenden und wunderbaren Kraft von Liebe und Freundschaft.
Zwei Bücher in einer eher modernen, knappen aber auch sehr
ausdrucksstarken Erzählweise. Voller intensiver bittersüßer Gefühle.
Bitte unbedingt lesen!

Rainer Hank: Die Pionierinnen

Der Wirtschaftsjournalist Rainer Hank hat ein sehr lebendiges Buch über 13 eindrucksvolle, starke und kluge Journalistinnen der Nachkriegszeit geschrieben. Woher kamen diese Frauen mit Namen wie Clara Menck, Inge Deutschkron, Helene Rahms, Maria Frise u.a.?

Wer und was hat diese Frauen geprägt oder motiviert?

Ein sehr inspirierendes Buch und eine längst überfällig Würdigung dieser beachtenswerten Frauen, die ihren eigenen Lebensentwürfen folgten!

Zugleich auch ein eindrucksvolles Portrait der Geschichte der frühen Bundesrepublik!

Ann Napolitano: Hallo, du Schöne

"Hallo, du Schöne" ist eine berührende amerikanisch-italienische Familiengeschichte.
William: Aus einer vom Schicksal gebeutelten Familie stammend. Ein emotional vernachlässigtes Einzelkind, dessen einziger Halt das Basketballspiel ist.
Julia: Kommt aus einer italienischen Großfamilie voller Liebe, Freude und Zuneigung zueinander.
William und Julia finden zueinander. Gemeinsam erleben sie großes Glück, spüren großen Zusammenhalt und durchleben so einige Schicksalsschläge. Wenn Sie bewegende Familiengeschichten mögen, dann werden Sie dieses Buch lieben!

Claire Keegan: Reichlich spät

Eine kleine und feine Erzählung, deren inhaltsschweres Thema behutsam aber dennoch eindrücklich und bildhaft in Ihnen nachhallen wird! Dies ist die Geschichte von Cathal und Sabine. Von ihrem Kennenlernen bis zu ihrem Scheitern. Eine Geschichte über Misogynie! In Frau Keegans unnachahmlicher Art, in der vieles nur angedeutet und nicht ausgesprochen wird, bleibt wieder viel Platz für Ihre eigenen Gefühle, Wahrnehmungen und Gedanken. Einfach großartig!!! Die Kirschen, eine Anspielung auf Sabines misslungene Tarte Clafoutis, ein einfach wunderbares Cover!

Florian Wack: Zebras im Schnee

Ein an historische Ereignisse angelehnter Roman über Architektur, Malerei und Photographie.
Amerika 1997: Richard Kugelman plant eine Architekturausstellung über das Stadtplanungsprogramm "Neues Frankfurt". Er entdeckt ein Photo der unbekannten Photographin Ella Burmeister von 1927 und begibt sich auf ihre und seine Spurensuche, denn sein Leben ist mit dem der Künstlerin irgendwie verbunden. Wir treffen Ernst May, Martin Elsaesser, Max Beckmann, Ilse Bing und Margarete Schütte-Lihotzky. Ein wunderbarer Roman über Freundschaft, Liebe, Aufbruch und Familie.

Leonie Schöler: Beklaute Frauen

Dies ist ein so großartiges Sachbuch über die unsichtbaren Heldinnen der Geschichte. Ob Denkerinnen, Forscherinnen oder Pionierinnen wie Clara Immerwahr, Milena Maric, Rosalind Franklin, Lise Meitner uvm.
Die Historikerin und Journalistin Leonie Schöler zeichnet ein lebendiges unterhaltsames und spannendes Portrait über historische Frauenpersönlichkeiten, die nie Anerkennung fanden.
Spannend wie ein Krimi - das sollten Sie unbedingt lesen!

Tom Saller: Ich bin Anna

In diesem Roman widmet sich Tom Saller der großartigen Anna Freud, dem jüngsten Kind Sigmund Freuds. Sie war Mitbegründerin der Kinderanalyse und der psychoanalytischen Pädagogik sowie Pionierin um das Thema Abwehrmechanismen und Ich-Psychologie.

Der Frage "Wie konnte sie die werden, die sie war" widmet sich der gelernte Psychiater Tom Saller mit Raffinesse und Fingerspitzengefühl.

Das Buch und auch Herrn Sallers Lesung, die er gemeinsam mit seinem Sohn regelrecht "komponiert" hat, haben mir große Freude bereitet!

Michael Kumpfmüller: Die Herrlichkeit des Lebens

Eine wunderschöne Liebesgeschichte!
Franz Kafka ist 40 Jahre alt, als er die 15 Jahre jüngere Dora Diamant kennenlernt. Der an Tuberkulose erkrankte Kafka, der schon vier Verlobungen aus Angst vor der Nähe wieder gelöst hat, ist haltlos in die junge Dora verliebt.
In seinem letzten Lebensjahr scheint er "Die Herrlichkeit des Lebens" zu erfahren.
Im März 2024 kommt die Verfilmung ins Kino: mit Sabin Tambrea als Kafka. Ich bin schon sehr gespannt auf den Film.

Sofia Lundberg: Hilma

Kennen Sie die bewundernswerte Hilma af Klint? Diese Romanbiografie ist ein sehr schöner Einstieg in die Welt der Kunst von Hilma af Klint.

Eine Frau, die ihrer Zeit weit voraus war und mit ihren Kunstwerken die Malerei revolutionierte.

Ab März 2024 gibt es eine Ausstellung in Düsseldorf zu sehen. Die werde ich mir auf keinen Fall entgehen lassen.

Florencia Etcheves: Fridas Köchin

Eine wunderbare fiktive Geschichte rund um die Künstlerin Frida Kahlo.
Mexiko 1939: Die junge Nayeli Cruz läuft von zu Hause fort um nicht verheiratet zu werden. Sie erhält bei Frida Kahlo eine Anstellung als Köchin und wird ihre engste Vertraute, bis es eines Tages zu einem ernsten Zerwürfnis zwischen den beiden Frauen kommt. Warum?
Argentinien 2018: Paloma Cruz kommt nach dem Tod ihrer geliebten Großmutter Nayeli in den Besitz eines mysteriösen unschätzbar wertvollen Gemäldes. Als Kunsträuber versuchen, es zu stehlen, macht Paloma sich auf, um das Geheimnis um ihre Großmutter zu lüften.
Spannend, farbenprächtig und eine rundum schöne Geschichte. Für alle Frida Kahlo-Fans und alle, die ein paar schöne Stunden unterhaltsame Lektüre genießen möchten.

Daniel Kehlmann: Lichtspiel

In „Lichtspiel“ von Daniel Kehlmann geht es um den einst gefeierten und dann weitestgehend vergessenen Stummfilmregisseur Georg Wilhelm Pabst. Ein Mensch, dem Kunst alles bedeutete und der mit seiner Kunst den Fortschritt voranbringen und gegen bestehende Verhältnisse anging.
Warum wird eine einst gefeierte Berühmtheit dann doch "vergessen"?
Mir hat es große Freude bereitet, und ich bin dem Lebensweg Pabsts atemlos gefolgt, um zu erfahren, was geschehen ist.
In den 1920-er und Anfang der 1930-er Jahren ist er in Deutschland erfolgreich und wird gefeiert. Zur Zeit der Machtergreifung ist er wegen Dreharbeiten gerade in Frankreich und ist auch dort eine Berühmtheit. Er wird als Meister des Schnitts gefeiert!
Es folgen drei Jahre Amerika und sein großes Scheitern… und erst jetzt beginnt die eigentliche Geschichte! Pabst, ein Nazigegner, lässt sich auf falsche Kompromisse ein und dreht vordergründig unpolitisch erscheinende Filme für die Bavaria. Dies war der Beginn, der seinen Ruf schädigte und Anfang seines Vergessenwerdens.
Ein Buch wie ein Film! Absolut lesenswert!

Jana Revedin: Der Frühling in den Bäumen

Die Autorin erzählt die Geschichte ihrer eigenen Mutter, die in den 50er Jahren die erste Frauenzeitschrift gründete. Eine Zeitschrift, die nicht nur unterhielt, sondern auch einen kritischen Blick auf die Politik, die Gesellschaft und vor allem auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft warf.
Sie erzählt aber auch die Geschichte, wie ihre Mutter Renina im Privatleben nach überstürzter Heirat mit dem Atomphysiker Fred Dietrich (Neffe von Marlene Dietrich) Gewalt durch diesen erfuhr und wie sie sich daraus zu befreien suchte.
Sie erlangte schließlich ihre Unabhängigkeit in einer Zeit, in der die Abhängigkeit vom Mann sogar gesetzlich gesichert und geschützt war.
Ein Buch über eine starke Frauenpersönlichkeit, der ich sehr gerne meine Leseempfehlung gebe!

Heinz Bachmann: Ingeborg Bachmann, meine Schwester

Im Oktober diesen Jahres jährt sich Ingeborg Bachmanns Tod zum 50. Mal. Sie gilt als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen und Prosaschriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts und ihr zu Ehren hat ihr 14 Jahre jüngerer Bruder nun dieses sehr persönliche Buch herausgebracht.
Für echte Bachmann-Fans gibt es in diesem Buch zwar nichts aufregendes Neues, doch in einer Bachmannsammlung sollte es nicht fehlen!
Wunderschöne Photos aus dem Privatbesitz der Familie machen das Buch besonders. Meine Lieblingsphotos sind die von Ingeborg an ihrem 1. Schultag, im Apfelbaum, beim Skilauf oder aber das mit ihrer ersten großen Liebe Jack Hamesh.

„Sie war ein Wirbel, der nie aufhörte.“ Heinz Bachmann

Michael Engler: Der Wunderkarton

Ein sehr schönes Pappbilderbuch für Kinder ab 2 Jahren.
Bei mir wurden sofort Kindheitserinnerungen wach, denn meine Eltern haben zu besonderen Geburtstagen sehr gerne riesige Kartons verschenkt. Diese Kartons waren mit geknülltem Zeitungspapier und vielen kleineren Geschenken gefüllt. Für mich aber war dieser riesige Karton jedes Mal das großes Abenteuer, wie auch für die kleine Milla in diesem Buch. Sie erlebt zauberhafte Phantasiereisen im Zug, Ballon oder im Schiff….was braucht es mehr?
Mit wunderschönen Illustrationen von Martina Schachenhuber.

Elena Fischer: Paradise Garden

Nachdem mich Elena Fischer beim Open Mike schon mit ihrem Beitrag begeistert hat, bin ich jetzt vom fertigen Buch einfach nur hingerissen. Schon jetzt ist es eines meiner Lieblingsbücher 2023.
Eine sprachlich und inhaltlich wunderschöne und starke Geschichte über eine Mutter-Tochter-Beziehung, die man sich so nur wünschen kann.
Unsere Ich-Erzählerin Billie ist mit ihren 14 Jahren aufrichtig, liebenswürdig und glaubhaft. Sie erzählt uns ihre Geschichte, wie sie mit ihrer Mutter Marika in schwierigen eher ärmlichen Verhältnissen in einer Hochhaussiedlung lebt und aufwächst und trotz des wenigen Geldes an Liebe und besonderen fantasievollen Momenten reich ist. Wie sie nach dem plötzlichen Tod ihrer geliebten Mutter verzweifelt und dann wieder aufsteht. Wie sie ihre Trauer verarbeitet, indem sie sich mit nur einem alten Deutschzertifikat der Mutter und einem zerrissenen Photo als Hinweise, auf Vatersuche begibt.
Für Leser denen Benedikt Wells „Hard Land“ oder Ewald Arenz „Der große Sommer“ gefallen hat und für alle Leser, die berührende Lektüren mögen, die nachdenklich stimmen und Hoffnung machen!

Diesem Debütroman gebe ich meine absolute Leseempfehlung!

Kirsten Boie: Sommer in Sommerby

Diese Buchreihe gibt es schon seit einigen Jahren, doch wir möchten sie Ihnen so gerne empfehlen, da sie so wunderbar in diese Zeit passt. Sie passt in diese Zeit, weil wir gerade auch Sommer und Sommerferien haben…..ja, doch sie passt auch, weil wir gerade in einer Zeit permanenter Hektik, Stress, Multimedia und Handyerreichbarkeit stecken. Davon möchten wir eine Zeit lang Auszeit nehmen und dies gelingt uns in Sommerby.
Ein großes Ferienabenteuer beginnt für Martha, Mikkel und Mats, als Papa ihnen erklärt, sie müssen ohne Mama und Papa bei ihrer Oma die Ferien verbringen. Bei ihrer Oma, die sie eigentlich gar nicht kennen und die in einem Haus lebt, in dem es kein Telefon, keinen Fernseher, keine Spülmaschine und kein Internet und W-LAN gibt. Dafür aber Hühner, Meer, Natur und ganz viele Erdbeermarmeladenbrote.
Am Anfang ist es für alle schwer. Die 12 jährige Martha ist ein typischer Teenie und hadert mit dem nicht vorhandenen Handynetz (keine besten WhatsApp Bilder mehr für ihre Freundinnen ) und mit den ihr aufgetragenen Aufgaben wie zum Beispiel Kartoffeln schälen. Mikkel ist 7 Jahre und sehr harmoniebedürftig. Er versteht die eher schrullige und schroffe Art der Oma zuerst überhaupt nicht. Mats ist erst 4Jahre und mitten in der Trotzphase. Wenn etwas nicht nach seinem Kopf geht, dann bekommt er sofort Wutausbrüche. Doch im Laufe der Geschichte nähern sich die Kinder und ihre Oma an. Wir erfahren, warum es keinen Kontakt gab und sehen, wie dieser jetzt vorsichtig aufgebaut wird. Die Kinder bekommen Aufgaben und wachsen daran….wunderbar! Beeren pflücken, Hühner füttern oder sogar das Boot steuern dürfen!
Es gibt einen Einbruch und einen bösen Immobilienmakler, doch es gibt auch Momente des hibbeligen Glücks. Zum Beispiel, als Martha ein Rehkitz aus dem Fenster beobachten kann, es zum Frühstück Brote mit selbstgemachter Erdbeermarmelade oder einfach statt des abendlichen Fernsehens ein gemeinsam gelesenes Buch gibt.
Eine wunderschöne und spannende, aber nie zu unheimliche oder beängstigende Sommer-Abenteuer-Urlaubs-Familiengeschichte.
Meine Tochter und ich sagen: “Unbedingt lesen!“
Zum Vorlesen ab 5 und Selbstlesen ab 11 Jahren

Shelley Read: So weit der Fluss uns trägt

Ein sehr berührender und ruhig erzählter Roman über eine junge angepasste Frau, die nach vielen Schicksalsschlägen zu einer selbstbewussten und starken Frau wird. Erschütternd, herzzerreißend und mitreißend!
Die Geschichte beginnt in den 40-er Jahren und spielt in der Kleinstadt Iola , den umgebenden Bergen und Wäldern und des landprägenden Flusses Gunnison River in Colorado.
Seit Torie mit nur 12 Jahren ihre Mutter, ihre Tante und ihren Kinderfreund durch einen Autounfall verliert, übernimmt sie wie selbstverständlich die Haushaltsführung der Pfirsichfarm und die Versorgung ihres geliebten Vaters, ihres aggressiven Bruders und des kriegsversehrten Onkels. Immer fleißig, gehorsam und brav verrichtet sie ohne jegliches Widerwort alle anfallenden Arbeiten von früh bis spät. Bis sie sich mit 17 Jahren unsterblich in einen jungen Indianer verliebt. Plötzlich schleicht sie sich heimlich aus dem Haus um ihn zu treffen und alle bisherigen Werte verändern sich für sie. Eines Tages aber taucht ihr geliebter Wil nicht am vereinbarten Treffpunkt auf und auch an jedem anderen gemeinsamen Platz ist er nicht zu finden. Etwas Schreckliches ist geschehen…..aber auch etwas Wundervolles!
Torie sieht sich gezwungen, die Farm zu verlassen und sucht in der Einsamkeit der Berge Zuflucht. Nach langer entbehrungsreicher Zeit kehrt sie verändert auf ihre geliebte Farm zurück. Doch auch dort und in den nun folgenden Jahren erwarten sie weitere Schicksalsschläge, die sie annimmt, immer weitermachen und niemals aufgeben lässt.
Es sind die wunderbaren detailreichen Naturbeschreibungen, ähnlich denen in „Der Gesang der Flusskrebse“, die mir sehr an diesem Buch gefallen. Man kann die Pfirsichbäume förmlich sehen und riechen.
Ganz besonders aber ist für mich die charakterliche Entwicklung der jungen Torie zur gestandenen, starken und mutigen Frau namens Victoria.
Ein wunderbarer Debütroman, den es sich absolut zu lesen lohnt!

Thommie Bayer: Sieben Tage Sommer

Eine wunderbare leichte und amüsante Sommerlektüre die zum Nachdenken anregt.
Der 70-jährige reiche Max Thorberg beauftragt die junge, intelligente und weltoffene Anja mit einem ungewöhnlichen Auftrag. Sie soll fünf „alte Freunde“ in seinem luxuriösem Haus in den Hügeln an der Cote d´Azur betreuen und verwöhnen. Max selbst wird nie dort eintreffen, er möchte aus der Ferne herausfinden, was man über ihn zu sagen hat. Warum aber lädt Max diese 5 Menschen ein? 30 Jahre zuvor wurde er, nach dem tragischen Tod seiner Frau, auf einer Wanderung durch ein Naturschutzgebiet brutal überfallen. Fünf Touristen retteten ihm damals sein Leben. Diese schicksalhafte Begegnung und seine tiefe Dankbarkeit ließen ihn 30 Jahre lang das Leben der Fünf dezent verfolgen und zwischenzeitlich unterstützend eingreifen. Jetzt möchte er erfahren, was aus diesen Menschen geworden ist und lässt sich von Anja berichten. Anjas Berichte und Beobachtungen und seine Antworten sind als E-Mails verfasst und verleihen diesem Roman die Kurzweiligkeit und Unterhaltung. Es wird liebevoll gespottet und auf warmherzige (nie bloßstellende) Art klug und unterhaltend erzählt. Es bereitet große Freude, dieser E-Mail Korrespondenz über das Leben und Treiben der Fünf heimlich zu lauschen!
Tauchen Sie ein, in das luxuriöse Ambiente der Villa am Hügel. Sehen Sie das köstliche Essen (welches vom Delikatessenhändler des Ortes geliefert wird) und bestaunen und verkosten Sie die herrlichen Weine und den Champagner des Hausherren. Hören Sie die Zikaden zirpen und riechen Sie den Oleander, Thymian und Lorbeer.
Wahre Urlaubsgefühle und doch auch noch die leise Frage zum Schluss, ob wahres Glück käuflich ist.
Eine Lektüre die Lust auf Urlaub und Genügsamkeit macht!
Das Taschenbuch erscheint am 27. Juli, in der Hardcover-Ausgabe zum Preis von 22,00 € ist der Titel bereits lieferbar.

Joséphine Nicolas: Das Haus am Meeresufer

Endlich! Ein Buch über die wunderbare Eileen Gray. Ich bin ganz hingerissen von der sprachlichen Umsetzung und der dadurch entstehenden Nähe zu Person und Zeit.
Wenn Sie sich für Kunst, Formensprache und moderne Architektur interessieren, lesen Sie dieses Buch! Wenn Sie sich für starke, unkonventionelle und richtungsweisende Frauen interessieren, lesen Sie dieses Buch! Sie werden begeistert sein!
Eileen Gray wurde am 9.8.1878 in Irland geboren und wuchs als Tochter einer wohlhabenden Familie mit Privatunterricht und vielen Privilegien auf. Zeitlebens musste sie sich nie Gedanken um ihre finanzielle Situation machen. Sehr früh war Eileen (zum Leidwesen ihrer Mutter) klar, sie wolle nicht heiraten, sondern frei und selbst bestimmt sein. Nachdem ihr geliebter Vater und auch Bruder verstarben, besuchten Eileen und ihre Mutter die Weltausstellung 1900 in Paris und ihre Leidenschaft für Form und Raum wurde geweckt. Sie wollte verstaubten Konventionen entsagen und dem Starrsinn der Welt entfliehen…..nur auf welchem Wege? Mehr durch Zufall entdeckte sie im Londoner Soho eine Lackwerkstatt und durfte dort zuerst zusehen, dann arbeiten und schließlich in Paris bei einem japanischen Lehrmeister selbst zur Meisterin in Lacktechniken werden. Durch einen Großauftrag der Modeschöpferin Madame Mathieu Levy erlangte sie Ansehen und wurde gesehen. Sie entwickelte sich fortwährend weiter und fand immer neue künstlerische Ausdrucksweisen. Im Privaten liebte sie wen sie wollte, ob Mann oder Frau, aber besonders Frauen. Sie unterhielt eine geheime Beziehung zur Chansonnière Damia und später eine Öffentliche zum Architekten Jean Badovic .Auch im Äußeren, mit Bubikopf und Hosenanzug, verkörperte sie den neuen Lebensstil. Die Nonkonformistin Eileen Gray wurde zum Ausnahmetalent des 20.Jahrhunderts und entwarf Wandschirme, Sessel und den noch heute viel kopierten Adjustable Table. Ihr Meisterwerk aber ist die Villa E1027 an der Cote d´Azur, die sie für Jean baute.
Es gibt noch so viel zu Eileen Gray zu schreiben, doch dies würde den Rahmen sprengen. Darum: Meine unbedingte Leseempfehlung für dieses wunderbare Buch!

Uli Leistenschneider: Die wunderbare Florentine Feiertag - Rettet den Wald

Wir lieben Florentine! Die wunderbare einfallsreiche Florentine mit ihren bunten Kleidern, ihrem Crepes-Ofen, ihrem wunderbaren „Haustier“, dem Rotkehlchen Pieps und natürlich dem Wunschbaum für Kinder.
Dies ist Band 2 der neuen Reihe rund um Florentine und dieses Mal ist es ganz wichtig, dass mit Band 1 angefangen wird! Schließlich müssen Sie und Ihre Kinder wissen, wie alles mit Florentine begann.
In diesem Band bitten wieder einige Kinder Florentine um Hilfe. Sie schreiben ihre Wünsche auf, hängen sie in den Wunschbaum und los geht´s.
„Ich muss besser in Mathe werden.“
„Das Fußballstation darf nicht gebaut werden.“ oder „Ich möchte unbedingt in den Dschungel ziehen.“ sind in diesem Band ihre Aufgaben.
Florentine hat so tolle Ideen! Wie kann der Besuch eines Baumarktes und der Bau eines Baumhauses die Mathenoten verbessern? Eine Kinderdemonstration und ein Fußballstar den Wald retten? Der Dschungel nach Waldstadt kommen?
Und überhaupt, was hat es mit der komischen neuen Nachbarin auf sich?
Mit Florentine wird es niemals langweilig, Mathe macht plötzlich Spaß und Sorgen verschwinden. Erlebt ein neues Abenteuer und lasst euch von Florentine verzaubern.
Für Jungen und Mädchen zum Vorlesen ab 6 und Selbstlesen ab 8 Jahren.
Meine Tochter & ich geben eine absolute Leseempfehlung!

John Boyne: Als die Welt zerbrach

Dies ist die Fortsetzung des Romans „Der Junge im gestreiften Pyjama“. Wäre ich nicht um eine Einschätzung (als Schullektüre) gebeten worden, hätte ich mir dieses Buch vielleicht nicht ausgesucht, denn schon der Vorgänger ist mir sehr „unter die Haut“ gegangen. Doch jetzt bin ich sehr dankbar über diese Bitte, denn es ist eine großartige, tiefgründig und sensibel erzählte Geschichte über die Frage nach Verantwortung und Schuld.
Aber nun zur Geschichte: Die 91 jährige verwitwete Gretel lebt in einer großen Wohnung in einem gehobenen Viertel Londons. Sie führt ein ruhiges, geordnetes und beschauliches Leben, bis zu dem Tag, als unter ihr neue Mieter einziehen. Eine Familie mit einem 9 jährigen stillen, höflichen, Bücher lesenden, aber auch sehr aufgeweckten kleinen Jungen namens Henry. Henry bringt Gretels Herz und Leben in Aufruhr, erinnert er sie doch schmerzlich an ihren kleinen Bruder der mit 9 Jahren sein Leben verlor.
In verschiedenen Rückblenden erfahren wir, was Gretel in ihrem Leben erlebt und getan hat. Als 12 jährige an der Seite ihrer Eltern an dem „anderen Ort“ und in ihrer ersten Verliebtheit. Als 14 jährige mit ihrer Mutter auf der Flucht aus Deutschland nach Frankreich, in einer kleinen dreckigen Wohnung lebend mit noch großem Glauben an die Zukunft. Nach einer traumatischen Erfahrung und dem Tod der Mutter, ihr Versuch eines Neubeginns in Australien als kleine Näherin mit einem zarten Zugeständnis an Freundschaft. Dann die desillusionierte Rückkehr nach England, wo sie zuerst ein zurückgezogenes und arbeitsreiches Leben führt. Es folgen großes Glück und Liebe, doch immer ist sie begleitet von der quälenden Frage ihrer (Mit-) Schuld. Schließlich enden wir in der Gegenwart, in der Gretel sich ihrer Schuld stellt und Verantwortung übernimmt. Verantwortung für den kleinen Henry, der sie so an ihren Bruder Bruno erinnert.
Dies ist ein Roman über eine Zeit dunkler deutscher Geschichte, der sich liest wie ein Krimi und uns Leser atemlos zurücklässt. Sie müssen den Vorgänger nicht zwingend gelesen haben, im Laufe des Buches erschließt sich auch diese Geschichte.
Ich gebe eine absolute Leseempfehlung!

Stefanie Dahle: Luna und die schauerlich-beste Familie der Welt

Hier kommt ein weiteres Buch, das meine Tochter und ich in nur wenigen Tagen verschlungen haben .Am letzten Abend haben wir sogar maßlos überzogen….trotz Schule am nächsten Tag!
Es geht in dieser Geschichte um Luna, die als Baby in einer Reisetasche bei der Vampirfamilie Süßmann vor dem Schloßtor ausgesetzt wurde. Bei Lorenz und Dorothea Süßmann war es Liebe auf den ersten Blick und so wuchs das Menschenmädchen Luna geliebt und behütet in einer Vampirfamilie auf.
Mit dem treuen Skeletthund Sprotte, dem Schlossgespenst Schnittchen, dem ewigen grünen Feuer und ihrem coolen großen Vampirbruder Ruben. Doch da sie das „Vampirgeheimnis“ auf gar keinen Fall preisgeben darf, ihre Familie wach ist, wenn sie schläft und umgekehrt, ist Luna sehr alleine und sehnt sich nach einer Freundin.
Eines Tages, Luna beobachtet gerade die Häuser in der Kastanienallee gegenüber, sieht sie wie eine neue Familie mit drei Kindern dort einzieht.
Sehr schnell werden die aufgeweckte und neugierige Annemie und Luna Freundinnen. Doch wie soll das mit dem großen Geheimnis funktionieren? Es wird schauerlich gruselig bei einer Übernachtung im tiefen Wald. Es wird abenteuerlich, als die zwei sich auf Spurensuche nach den leiblichen Eltern von Luna begeben und es wird auch sehr lustig. Meine Tochter hat sehr gekichert, als sich Lunas großer Bruder in Annemies große Schwester verliebt und sie doch auch tatsächlich küsst…uiiiii!
Ein wunderbares und spannendes Freundschaftsbuch mit einer Prise Magie!
Meine Tochter & ich geben eine absolute Leseempfehlung.
Zum Vorlesen und Selbstlesen für Kinder ab 8 Jahren.

Robert Seethaler: Das Café ohne Namen

Braucht ein Buch eine Buchbesprechung, wenn es sich „fast von alleine“ aufgrund des Autors verkauft? Dies waren meine ersten Überlegungen schon während der Lektüre. Sehr schnell stand für mich dann aber fest, dass ich es Ihnen unbedingt vorstellen muss, denn es ist wieder wunderbar!
Ein leiser und einfühlsamer Roman mit liebenswerten Charakteren in unaufgeregter Atmosphäre, der zutiefst berührt!
Wien befindet sich 1966 in Aufbruchsstimmung und auch Robert Simon, der sich viele Jahre als gern gesehener Gelegenheitsarbeiter auf dem Karmelitermarkt verdingt hat, möchte etwas Neues wagen. Er pachtet das heruntergekommene Marktcafé im Arbeiterviertel und macht daraus sein eigenes besonderes Café. Ein Café, das diesen Namen eigentlich gar nicht verdient hat, denn es ist eher eine Stube mit Terrasse und sehr überschaubarem Angebot. Es gibt an Speisen Schmalzbrote mit und ohne Zwiebeln, frische Gurken und Salzstangen und an Getränken Kaffee, Limonade, Himbeersoda, Bier und Wein. Im Winter allerdings gibt es den besten Punsch des Viertels. Viele Menschen kommen zu Robert Simon, der hilfsbereit und gutmütig ist und der all seine Kraft und Energie in sein Café steckt. Es kommen Marktleute wie der Fischhändler und die Obstbauern, Straßenarbeiter, Fabrikarbeiter und Fabrikarbeiterinnen, Obdachlose, brotlose Künstler und viele mehr. All diese „kleinen“ Leute bringen ihre Geschichten mit, ihre Sehnsüchte, Sorgen, Ängste und auch ihre Träume. Besonders ans Herz gewachsen sind mir die ehemalige Näherin Mila, die fleißig und zuverlässig Simon zur Seite steht. Der Fleischermeister, der Ringer und zu guter Letzt natürlich die Vermieterin, die Kriegerwitwe, die Simon immer Beistand leistet.
Egal, welche Zeit wir schreiben, es sind diese Geschichten und Gefühle, die sich immer gleichen werden und uns darum auch so berühren.
Ich gebe diesem Buch eine absolute Leseempfehlung!

Sabine Bohlmann: Flusskind Milllilu und der Gesang der Fische

Auf Wunsch und Anregung einer lieben Kundin wird es bei unseren Empfehlungen jetzt auch mehr Kinder- und Jugendbücher geben.
Unser nächstes Buch haben meine Tochter und ich uns ausgesucht, weil wir so große „Frau Honig“ und „Willow“ Fans sind. Jetzt hat Sabine Bohlmann ein neues Buch rund um das Flusskind Millilu herausgebracht.
Millilu ist eine moderne und warmherzige Pippi Langstrumpf mit (bisher) neun Namen, denn jedes Jahr zum Geburtstag schenkt sie sich einen neuen Namen dazu. Sie fährt auf ihrem wunderbar bunten Hausboot nur mit ihrer Ziege Vanille und ihrem Huhn Hennilotte die Flüsse entlang. Eines Tages trifft sie die zwei besten Freundinnen Stella und Luna die von zu Hause weggelaufen sind. Die Mädchen sind völlig verzweifelt, weil Lunas Eltern nach Neuseeland auswandern möchten und die zwei Freundinnen natürlich auf gar keinen Fall getrennt werden wollen. Sie haben große Angst um ihre Freundschaft aber Millilu schafft es mit einer wunderbaren Idee, die Mädchen in ihrer Freundschaft zu bestärken und ihnen Mut für die Zukunft zu machen. Gemeinsam erleben sie drei wunderbare Abenteuertage. Wir mussten oft lachen und einmal ganz kurz, da kamen uns auch die Tränen, obwohl wir doch ahnten, dass alles gut ausgehen muss.
Ein einfühlsames , lustiges und spannendes Buch in dem es um etwas ganz Wichtiges im Leben geht: um Urvertrauen und Freundschaft.
Zitat Seite 82 „Wer sollte mir denn etwas klauen? Die wichtigsten Dinge habe ich dabei: Vanille, Hennilotte, Euch und mich.“
Wir freuen uns jetzt schon auf neue Abenteuer von Millilu, denn dies ist der Auftakt einer neuen Reihe.
Zum Vorlesen ab 5 Jahren und selbst lesen ab 8 Jahren.

Cornelia Funke, Tammi Hartung: Das grüne Königreich

Dieses Mal möchten meine jüngere Tochter und ich Ihnen ein Kinderbuch ans Herz legen, das uns sehr begeistert hat. Es ist das neue Buch von Cornelia Funke, das sie zusammen mit Tammi Hartung geschrieben hat.
Meine Tochter hat sich dieses Buch zuerst nur aus einem Grund aus unserem Ferienstapel ausgesucht und dies waren die wunderschönen Bilder. Das „Grüne Königreich“ ist aber nicht nur an Illustrationen wunderschön, es ist auch von der Geschichte, den Personen und der Aussage einfach herzerwärmend.
Zur Geschichte: Die 12-jährige Caspia aus Maine soll 11 lange Wochen Sommerferien mit ihren Eltern in Brooklyn verbringen. Ohne Schwimmen im Fluss, ohne Eis aus ihrer Lieblingseisdiele und was am allerschlimmsten ist, ohne ihre zwei allerbesten Freundinnen Laryssa und Ellie.
In Brooklyn angekommen ist auch alles zuerst so, wie Caspia befürchtet hat. Ihr Ferienzimmer ist total altmodisch und Handyempfang hat sie auch nur auf ihrer Fensterbank. Alles ist laut und hektisch in dieser Stadt, ganz anders als im beschaulichen Maine. Doch dann findet sie in einer mit Blumen und Pflanzen bemalten Kommode einen Stapel alter Briefe. 10 Stück sind es und zusammengehalten werden sie von einem Band mit einer getrockneten Blume darunter. Caspias Neugierde ist geweckt und sie öffnet den ersten Brief.
Jeder dieser Briefe enthält ein Pflanzenrätsel. Verfasst sind diese von einem blinden Mädchen namens Rosalinde, das vor langer Zeit mit ihrem Botaniker-Vater die Welt bereiste und adressiert sind sie an ihre Schwester Minna.
Wunderschöne liebevolle Briefrätsel und eine wunderbare Idee der Autorinnen, die Antworten von Minna als gestickte oder auch geschnitzte Botschaften zurückzuschicken.
Caspia beginnt die Pflanzenrätsel mit Hilfe ihrer Freundinnen (per Whatsapp) und neuer Freunde in Brooklyn zu lösen. Mit einer alten Gewürzverkäuferin, einem sehr netten Jungen aus dem botanischen Garten und mit einem Mädchen aus dem Blumenladen „ Blüten & Bücher“. Eine einzigartige, abenteuerliche, spannende und inspirierende Geschichte rund um die Kraft der Freundschaft, der Familie und der Natur!
Meine Tochter wurde direkt zum Pflanzen säen und zeichnen inspiriert!

Margret Greiner: Mäda & Mäda

Wer gern Bücher über starke unkonventionelle Frauen und über Kunst liest, ist bei Frau Greiner an der richtigen Adresse. Sie hat einen unvergleichlichen niveauvollen Schreibstil und versteht es, den Figuren von Anfang an Leben einzuhauchen. Von der ersten Seite an spürt man die Kraft und die Energie, die den weiblichen Hauptfiguren innewohnt, die ihr Handeln bestimmt und antreibt.
Eine wunderbare Romanbiografie mit zahlreichen Photographien über die Mutter Eugenia und Tochter Gertrude Primavesi (beide Mäda genannt) über die Wiener Werkstätten, Anton Hanak, Kolo Moser und über Gustav Klimt.
Tauchen Sie ein in die Kunstszene Österreichs um 1900 und lösen Sie das Rätsel um die Gemälde Gustavs Klimts auf dem Cover.

Anthony McCarten: Going Zero

Ein rasend schneller Thriller über digitale Vernetzung und die totale Überwachung.
Ein Roman, den ich mir aufgrund dieses Themas und des Covers nicht unbedingt ausgesucht hätte, doch da ich unheimlich gern Anthony McCarten lese, habe ich es gewagt und wurde belohnt!
Von der ersten Seite an war ich gefesselt. Die Protagonistin ist zwar keine Buchhändlerin, sondern Bibliothekarin, aber für mich war dies auch mit ein Grund, der für die Lektüre gesprochen hat.
Die Geschichte: Ein privates Unternehmen mit dem Namen „WorldShare“, geführt und gegründet von dem charismatischen Cy Baxter, möchte der amerikanischen Regierung bzw. dem CIA, FBI, NSA etc. ein totales Überwachungsprogramm verkaufen. Ein Überwachungssystem, das Amerika vor Gewalt und Attentätern schützen und seine Sicherheit stärken soll.
Der Verkauf würde perfekt werden, wenn der bevorstehende Betatest gelingt.
10 Kandidaten aus unterschiedlichsten Schichten der Bevölkerung müssen sich 30 Tage der totalen Überwachung entziehen. Gelingt dies, erhält der Gewinner oder die Gewinnerin 3 Millionen Dollar und „WorldShare“ einen 10-Jahres Vertrag mit der Regierung über insgesamt 100 Milliarden Dollar.
Es gibt unter den Kandidaten einen Ex-Marine, eine Widerstandskämpferin, einen IT Spezialisten, eine zweifache Mutter … und eine Bostoner Bibliothekarin, Kaitlyn Day, die als völlig harmlos eingestuft wurde.
Es beginnt ein wahnsinniges Katz- und Mausspiel mit unvorhersehbaren Aktionen und Wendungen und mit einem unerwartetem Ausgang.
Nach der Lektüre hat man viele Denkanstöße zu den Themen Privatsphäre, Datenschutz, digitale Vernetzung und Freiheit des Einzelnen erhalten.
Absolut empfehlenswert!!!

Helga Schubert: Der heutige Tag

Ich bin so berührt!
Frau Schubert ist eine so großartige Erzählerin. Sie beschreibt in ihrem neuen Buch in wunderschönen poetischen Worten gepaart mit eher nüchternen Beschreibungen das Leben, die Liebe und die Pflege ihres geliebten Mannes.
Eine Literaturwissenschaftlerin sagte kürzlich, man solle eine neue literarische Skala "den Schubert Moment" einführen.
Wunderbar!
Anhand zwei meiner Schubert-Momente möchte ich dieses Buch beschreiben und Ihnen ans Herz legen.
-„Wenn ich abends alles Notwendige an ihm gerichtet und für die Nacht vorbereitet hatte, auf seiner Bettkante saß, nur seine Nachtischlampe an war, wir unsere Hände ineinander verschränkten, seine kalten in meine warmen, begann unsere schönste Tageszeit: Er sagte, dass ich seine Mutter, Schwester, sein großer Bruder, die alle tot sind, sein Mann und seine Frau sei. Alles.“-
-„Das ist übrig nach unseren Jahrzehnten, dachte ich: Hände, die sich aneinander wärmen. Ich gab ihm unter der Decke die Hand und drückte sie. Und er drückte meine Hand. Wie ein Versprechen. In guten und in schlechten Zeiten. Aber es sind gar keine schlechten Zeiten.“-
Bitte lesen Sie dieses wunderbare Buch, es wird Sie anrühren aber auch an der ein oder anderen Stelle zum Lachen bringen!

Claire Keegan: Das dritte Licht

Eine kleine poetische und gefühlvolle Erzählung über die Bedeutung der eigenen Herkunft.
Welche Chancen eröffnen sich, wenn die Umstände des Aufwachsens unterschiedlich verlaufen?
Zur Geschichte: Ein kleines Mädchen wird von ihrem Vater zu entfernten Verwandten gebracht, da die Mutter ein weiteres Baby erwartet und die Familie mehr schlecht als recht über die Runden kommt. Dem namenlosen Mädchen, unserer Ich-Erzählerin, eröffnet sich jetzt eine neue Welt, die ihr aber auch etwas Angst macht. Wo es früher Armut und Gefühlskälte gab, gibt es jetzt Güte, Zuneigung und Herzenswärme. Doch auch in ihrem neuen Zuhause fühlen wir eine tiefe Traurigkeit, dessen Ursache wir aber schnell erfahren. Wir erleben die das Mädchen umgebende Atmosphäre, ihre Gefühle und die liebevolle Zeit bei ihren Pflegeeltern hautnah mit und hoffen mit ihr auf ein gutes Ende.

Mit so wenigen Worten erzählt Frau Keegan so viel. Eine kleine Kostbarkeit, die aufwühlt und tief bewegt und sich absolut zu lesen lohnt!

Martin Suter: Melody

„Endlich wieder ein richtiger Suter“, das waren meine ersten Gedanken, als ich die Verlagsvorschau durchgesehen habe. Kein Almen, keine Business-Class-Geschichten und nicht das Thema Fußball. Meine Vorfreude war also groß!
Zur Geschichte: Der totkranke Alt-Nationalrat Dr. Peter Stotz sucht per Zeitungsannonce einen Nachlassverwalter. Er engagiert den mittellosen Jurastudenten Tom Elmer, der einen unkündbaren Jahresvertrag mit großzügiger Bezahlung und eine Wohnung in dessen Villa Aurora inklusive Verpflegung erhält.
Jeden Tag sichtet Tom nun Unmengen an schriftlichen Unterlagen. Es finden gemeinsame Essen (wunderbare Kreationen der sympathischen Köchin) mit anschließenden Gesprächen am Kamin statt. Bei diesen gepflegten und kultivierten „Kamingesprächen“ mit viel Alkohol(!) lernt Tom Dr. Stotz kennen und taucht immer tiefer in dessen Firmen- und Familiengeschichte ein. Bald schon erfährt Tom von Dr. Stotz großer Liebe, von Melody Alaoui, deren Portraits überall in der Villa zu finden sind und erahnt ein großes Geheimnis, welches er zu lüften gedenkt.
Elegant, charmant, leichtfüßig und feinsinnig wie eh und je, am Ende gab es für mich zwar eine „Wendung“ zu viel, doch es war mir ein absolutes Lesevergnügen und meine Vorfreude wurde nicht enttäuscht!

Antoine Laurain: Eine verdächtig wahre Geschichte

Ein wunderbar leichter Roman, oder besser Krimi, der in der französischen Literaturszene spielt. Voller sprühendem Witz, spannend konzipiert, mit überraschender Auflösung und literarisch niveauvoll.
Zur Geschichte: Die junge Verlagslektorin Violaine Lepage bekommt ein Manuskript „Die Zuckerblumen“ zugesandt, welches sich zur Sensationsentdeckung entwickelt und sogar für den französischen Literaturpreis, den Prix Goncourt, nominiert wird. Die Freude ist groß, doch dann stellt sich Violaine ein Problem in den Weg. Der Autor oder die Autorin ist nicht auffindbar. Das Manuskript kam per Post, ohne Absender und auch alle anderen Kontakte liefen über eine E-Mail-Korrespondenz mit dem Namen: Camille Desencres. Es gibt keine persönlichen Informationen und niemand hat ihn oder sie je zu Gesicht bekommen. Warum tritt der Autor nicht in Erscheinung? Was steckt dahinter?
Als dann die taffe Kommissarin Sophie Tanche aus Rouen einen Zusammenhang zwischen den in „Die Zuckerblumen“ begangenen Morden und zwei vor einem Jahr verübten realen Morden herstellt, wird es richtig verworren und spannend.
Lassen Sie sich von den wundervoll entworfenen Figuren verzaubern und von der Geschichte gefangen nehmen.
Mir hat diese Lektüre einen verregneten Sonntag versüßt!

Trude Teige: Als Großmutter im Regen tanzte

Ein sehr bewegendes und lange nachhallendes Buch!
Es ist die Generationengeschichte dreier Frauen, angefangen 1945 bis heute und angesiedelt in Norwegen und Deutschland.
Die berührende Geschichte der Großmutter Tekla, ihrer Tochter Lilla und deren Tochter Juni.
Als Juni im Haus ihrer verstorbenen Großeltern ein Photo der jungen Tekla mit einem deutschen Soldaten findet, ist dies der Auslöser für ihre Ahnenforschungen. Sie erkennt schnell, dass es in der Vergangenheit der Familie Geheimnisse gab und wird diese mit uns gemeinsam ergründen.
Ein Roman über die Liebe einer norwegischen Frau zu einem deutschen Besatzungssoldaten und über ein ungeheuerliches Inferno in einer Stadt im Osten Deutschlands 1945.
Die Autorin entwirft eine fiktive Liebes- und Familiengeschichte vor dem Hintergrund historischer Geschehnisse, die genau so passiert sein kann.
Ich war streckenweise sehr erschüttert und habe die historischen Fakten parallel nachgeschlagen, doch ich bin auch sehr begeistert darüber, wie sich die Autorin mit diesem sensiblen Thema auseinandergesetzt hat.
Darum: unbedingt lesen!

Andreas Wunn: Saubere Zeiten

Dem Romandebüt von Andreas Wunn gebe ich eine absolute Leseempfehlung!
Es ist eine fesselnde Familiengeschichte in Zeiten des Dritten Reiches, der Nachkriegszeit und der Zeit des Wirtschaftswunders.
Ein Roman über unwiederbringliche Momente, verpasste Chancen, nicht ausgesprochene Gefühle und der Sprachlosigkeit in Familien.
Der Protagonist Jakob Auber, Nachkomme einer einst reichen und einflussreichen Familie, erfährt durch einen Anruf, dass sein Vater im Sterben liegt. Obwohl er seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm hat, reist er zurück in seine Heimat an die Mosel und entdeckt in seinem alten Kinderzimmer die Vergangenheit seiner Familie.
Die Geschichte seines Großvaters, der vor dem Krieg als Drogist seine Laufbahn begann, zum Chef eines Waschmittelimperiums aufstieg und dann wieder alles verlor.
Ebenso seines Vaters, der als Kind wenig von seinen Eltern beachtet und zeitweise abgeschoben wurde. Der seine große Liebe fand und (auch) wieder verlor.
Jakob Auber erkennt, dass die Vergangenheit seiner Familie seine Gegenwart prägt und er nur ein glückliches Leben führen kann, wenn er sich mit ihr auseinandersetzt und sich mit ihr aussöhnt.
Andreas Wunn springt gerne mitten im Kapitel, ohne Absatz oder Vorwarnung in andere Zeiten. Von seiner eigenen Vergangenheit in die seines Vaters, seines Großvaters und wieder in die Gegenwart zurück. Daran muss man sich erst gewöhnen, doch es gibt dem Roman eine eigene Dynamik. Interessant fand ich zudem, dass es in der Familie Wunn tatsächlich einen Großvater gab, der ein berühmtes Waschmittel erfunden hat. Der Rest der Geschichte ist allerdings rein fiktiv – unvorhersehbar und absolut spannend!

Arno Geiger: Das glückliche Geheimnis

Arno Geiger schreibt in seinem neuen Roman über sein Leben, seine Beziehungen und über seinen literarischen Werdegang.
Er gesteht uns: ,,Ein Vierteljahrhundert war Weggeworfenes Teil meines Lebens“ und nimmt uns mit auf seine Streifzüge durch Wiens Altpapiercontainer. Ganz offenherzig, voller Charme, Witz und Selbstironie aber auch philosophisch, tiefsinnig und mit viel Lebensweisheit berichtet er von seinem steinigen Weg Schriftsteller zu werden. Wie seine gefundenen Konvolute aus Briefen, Notizen und Tagebüchern sein Schreiben beeinflusst und geformt haben.
,,In vielen Briefen stieß ich auf eine beiläufige Offenheit, die mir gefiel, eine gänzlich unverkrampfte Direktheit, die mich zuerst beeindruckte, dann beeinflusste und schließlich mein Schreiben veränderte.“
Ein wunderbares Buch, lesenswerte Zitate und ein Arno Geiger, der mir trotz aller Eigenheiten sehr sympathisch ist.

Alexander Schulman: Verbrenn all meine Briefe

Ein Buch, das mich vom ersten Moment an berührt hat. Ich habe es begonnen zu lesen und erst wieder aus der Hand gelegt, als ich es beendet hatte. Eine starke und intensive Geschichte in ganz besonderer Erzählart.
Die Geschichte handelt von Alex Schulman selbst. Von seinem Verhalten seiner Frau und seinen Kindern gegenüber. Woher kommen seine plötzlichen Wutanfälle und warum haben seine Kinder Angst vor ihm? Wann hat es angefangen und warum? Diese Fragen treiben ihn um und er beginnt eine Therapie. Er erkennt: „Wo Angst ist, hat die Liebe keinen Platz“ und begibt sich auf Spurensuche.
Der Ursprung der Wut in der Familie scheint bei seinem Großvater zu beginnen. Anhand von Tagebüchern und Briefen erleben wir die Lebens- und Liebesgeschichte seiner Großeltern. Des berühmten schwedischen Schriftstellers, Literaturwissenschaftlers, Kritikers, Übersetzers und Journalisten Sven Stolpe, seiner Frau Karin Euler-Cheplin und ihrer eigentlichen Liebe Olof Lagercrantz.
Es ist eine aufwühlende und mitreißende Geschichte über eine Frau, die ihr Leben nach einem Mann ausrichtet, sich neu verliebt, sich befreien wollte und doch gefangen blieb.
Eine Geschichte über Liebe, Gewalt, Abhängigkeit & Freiheit und darüber, dass Vergangenheit kein unüberwindbares Schicksal ist, sondern wir immer eine Wahl haben, unsere eigene Geschichte zu verändern - auch Alexander Schulman.
Absolut lesenswert!

Susanne Abel: Was ich nie gesagt habe

Die Fortsetzung des Romans „Stay away from Gretchen“ von Susanne Abel.

In „Was ich nie gesagt habe" erzählt Susanne Abel auch hier in zwei Erzählebenen zum einen die Lebensgeschichte von Toms Vater Konrad und zum anderen widmet sich die Autorin Tom und seiner Mutter Greta in der heutigen Zeit. Dabei knüpft sie direkt an den Vorgängerband an.
Die Kapitel um die Biographie des Vaters im ersten Erzählstrang haben mich umgehauen. Wie Greta wächst Konrad in der NS-Zeit und dem 2. Weltkrieg auf und wird von der Ideologie mitgerissen. Doch auch die Nachkriegszeit, in der er Greta kennenlernt, mich absolut in ihren Bann gezogen.
Im zweiten Erzählstrang findet Tom durch einen Zufall heraus, dass er einen Halbbruder väterlicherseits hat – er recherchiert weiter und kommt ziemlich ungeheuerlichen Machenschaften auf die Spur.
Trotz der schweren Kost, die Susanne Abel ihren Lesern „zumutet", kommt der Unterhaltungsfaktor nicht zu kurz, was vor allem an ihrer erstklassigen Erzählweise liegt. Die Sogwirkung dieses Romans lässt einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Wer den ersten Teil gelesen hat, wird vom zweiten Teil nicht minder begeistert sein.

Bonnie Garmus: Eine Frage der Chemie

Elizabeth Zott ist eine Frau mit dem unverkennbaren Auftreten eines Menschen, der nicht durchschnittlich ist und es nie sein wird. Sie ist rebellisch, klug und ihrer Zeit voraus.

Denn 1961 ist es absolut nicht selbstverständlich, dass Frauen sich für Chemie begeistern – im Gegenteil, sie tragen Hemdblusenkleider und treten Gartenvereinen bei. Niemand traut ihnen zu, Chemikerin zu werden.
Außer Calvin Evans, der einsame, brillante Nobelpreiskandidat, der sich ausgerechnet in Elizabeths Verstand verliebt. Aber das Leben geht seine eigenen Wege. Und so findet sich eine alleinerziehende Elizabeth Zott bald in der TV-Show „Essen um sechs“ wieder. Dort kocht sie nicht nur exzellent, sie begreift auch Kochrezepte als chemische Formeln und Vorlagen und bildet das hauptsächlich weibliche Publikum wissenschaftlich weiter. Mit ihrer offenen, direkten und bisweilen naiven Art kämpft sie – nicht immer absichtlich und bewusst – für die Stärkung und Gleichberechtigung der Frauen.